Menü
Dorfstraße 21
99158 Schmiedehausen
info@gemeinde-schmiedehausen.de
Stadt Bad Sulza
Erfüllende Gemeinde
99158 Schmiedehausen
Erfüllende Gemeinde
Startseite | Gemeinde Schmiedehausen | Geschichte
Die Entstehungszeit des Dorfes liegt wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert. Der erste urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1166. Damals noch „Smidehusen“ genannt, wandelt sich der Name in späteren Zeiten über „Smidehusen“ und „Smedehusen“ zu seiner heutigen Form.
Der Sage nach soll sich hier zuerst ein Schmied niedergelassen haben, doch gibt es dafür keine Beweise.
Die Gründung erfolgte durch fränkische Konolisten zum Schutze der thüringischen Grenze gegen die recht der Saale wohnenden Slawen. Sie wählten einen strategisch wichtigen Punkt:
Hier kreuzen sich zwei alte, bedeutende Handelswege, die „Satzstraße“ von Bad Sulza – Camburg – Frauenpriesnitz und die sogenannte „Weinstraße“ von Schleusingen – Großheringen. Im Ausgang des Mittelalters hat es an beiden Enden je einen Schlagbaum gegeben, bei denen von durchfahrenden Wagen „Chauseegelder“ zu entrichten waren. Im Tal muss auch noch ein Vorwerk gestanden haben, denn bei Tiefenarbeiten ist man auf große Keller und gepflasterte Böden gestoßen. Schon in frühester Zeit kam Schmiedehausen zu den Wettinern und damit an das Amt Camburg.
In der Urkunde von 1166 werden die Brüder Konrad und Rupert von Schmiedehausen genannt. Aber schon im 13. Jahrhundert verließen die Ritter von Schmiedehausen ihren Stammsitz. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Von ihrem Haus oder Ihrer Burg ist nichts mehr zu finden. Während ihrer Herrscherzeit ging ein Großteil der Höfe und Feldländereien durch Schenkung und Verkäufe in klösterlichen Besitz über, hauptsächlich an das Kloser zu Eisenberg, das seinen Besitz in Schmiedehausen vermehrte und zuletzt im Ort eine Filiale errichtete. Das Land wurde den Bauern in Pacht gegeben, die dafür reichlich Zinsen aufbringen mussten. Außerdem hatten sie für ihre jeweiligen Herren und dfür das Amt Camburg Frondienste zu erbringen.
1545 wütete ein großer Brand im Dorfe. Fast alle Häuser und ein Teil der Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten Kirche wurden vernichtet. Beim Wiederaufbau des Dorfes wurde gleich eine Schule mitgebaut. 1549 werden die Schule und ein Lehrer zum ersten Mal in den Urkunden erwähnt.
Die Haupternährungsquelle der Bewohner war der Acker- und Obstbau. Brüchner schildert in seiner Landskunde die Schmiedehäuser als „ein eigentümliches, leicht reizbares, dabei derbes und kirchliches Völkchen“. In seiner Anlage ist der Ort eine Vermischung von Straßen- und Haufendorf, somit durchaus eine typisch germanische Siedlungsweise. Das Wappen von Schmiedehausen, Jungfrau mit Schwert und Waage, veranschaulicht der Bedeutung seiner Ortsgeschichte gemäß alte Gerechtsamkeit. Es befindet sich mit am Wappenfries des Kreishauses zu Camburg. Mit „6 1/2 hundert Einwohnern und 64 Feuerstätten“ war Schmiedehausen das größte Dorf der Grafschaft Camburg.
Urkundlich wird die Schmiedehäuser Kirche erstmalig erwähnt, als der überaus schenkungsfreudige Markgraf Dietrich von Meßen sie dem Eisenberger Nonnenkloster vermachte.
Im Westgiebel der Kirche, unter dem Trepenaufgang, ist ein kleiner Fensterbogen mit einer kaum erkennbaren und schwer zu entziffernden Jahreszahl eingemauert. Nach Ansicht des ehemaligen Pfarrers Mitzenheim lautet sie 1149. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es das Gründungsjahr der Kirche ist, denn der Bau der Kirche dürfte bald nach der Ortsgründung ausgeführt worden sein. 1254 wird in Stiftungsurkunde Heinrichs des Erlauchten unter den Zeugen auch Henricus de Smidehusen, Johannes plebanus (Pfarrer) de Smidehusen genanntebenso 1369 Henricus plebanus, 1370 Pfarrer von Schmiedehausen. Den Gottestdienst besorgten die plebani, Weltgeistliche, zum Unterschied von Klostergeistlichen.
Im Jahre 1539 war die neue Glaubenslehre aufgenommen worden. Somit änderte sich auch in unserem Ort das kirchliche Leben. Mit der Einführung der Reformation wurde die Kirche landesherrlichen Patronates. Die großen Brände, die das Dorf heimgesucht haben, verschonten auch die Kirche nicht. Sie wurde 1545 Opfer der Flammen. Beim Aufbau der Kirche wurde das erhaltene Mauerwerk wieder benutzt. Von dem alten romaischen Bau waren die Anlagen des Chores, der den kleinen spitz zulaufenden, mit Schiefer verkleideten Turm trägt, und das Hauptschiff erhalten. DA der Kirchenraum für die wachsende Gemeinde zu klein war, wurde er 1608 um das Südschiff erweitert. Zur Erweiterung der Frauensitze wurde die Südmauer herausgedrückt und somit in der gleichen Tiefe eine Männerempore gewonnen. Ein überdachter Treppenaufgang führe außen an der Kirche zur Empore hinauf (sog. Männeraufgang). Im Jahre 1894 wurde der Innenraum der Kirche auf Anregung des damaligen Pfarrers Kaufmann erneuert. An der Ostwand wurde ein Fenster in Glasmalerei (segnender Christus) eingefügt, der Chorraum wurde freigelegt. Die bisher in der Schwebe hängende Kanzel wurde auf eine stabile Holzsäule verlegt.
Für 3200 Mark lieferte im Jahre 1898 der Orgelauer Böttcher aus Sömmerda eine Orgel mit trefflichen Klangfarben.
Im September 1921 fasste der Kirchenvorstand den Entschluss, das im Jahr 1817 zerstörte Geläute wieder zu ergänzen.
1850 werden die Glocken, „das schönste Geläut in der ganzen Grafschaft“, vom Turm heruntergenommen und in einem extra dafür gebauten Glockenhaus aufgehänt, weil der Kirchturm Risse bekommen hatte.
Zwischen Kirche und Glockenhaus lag der alte Friedhof. An seiner Stelle wurden 1859 der neue Friedhof an der Bad Sulzaer Straße angelegt. Auf der rechten Seite des Kirchhofes fand, umrandet von prächtigen Tannen, das Ehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Helden seine Aufstellung.
Der Stahlhelm an der Eingangspforte und die Granittafel am gewaltigen Steinblock kündeten von ihren Verdiensten.
Auch in der Kirche fanden die Gefallenen des 1. Weltkrieges ihre Ehrung. Unter der Brüstung der Empore hingen viele welke Krnze und ein Gemälde, welches einen verwundeten Krieger zeigt, der am Feldrand liegt, während sein sehnsüchtiger Blick über die Weite Wiesenfläche schweift, wo in der Ferne die roten Dächer des Heimatortes schimmern.
Von den fünf Pfarreien der Grafschaft war Schmiedehausen außer Camburg die einzige, die immer ohne Filiale gewesen ist. Sie wurde 1928 eingezogen und kam zu Eckolstädt.
Die seit der Reformation in Schmiedehausen amtierenden Geistlichen sind in nahezu lückenloser Folge bekannt und in der Chronik namentlich festgehalten.
Erwähnt werden soll in dieser Festschrift lediglich Pfarrer Walter Kalbe, der von 1915 bis 1925 in Schmiedehausen amtierte. In der Chronik wird er als ein Mann mit tiefer Lebensfrömmigkeit beschrieben, der voll von reformierten Ideen war. Seine Liebe galt vornehmlich der Jugend, er war auch der Gründer des Schmiedehäuser Kirschfestes, das unter seiner Leitung am 27. Juni 1920 erstmalig gefeiert wurde.
Pfarrer Kalbe gab das gern gelesene evangelische Gemeindeblatt „Heimatglocken“ heraus, welches uns heute ein anschauliches Bild des Lebens der Gemeinde in den Jahren 1915 – 1924 gibt und eine Fundgrube für den Ortschronisten ist. Er förderte das kulturelle Leben der Gemeinde. So führte er Leseabende ein, gründete eine Volksbücherei und eine Volkshochschule. Er widmete sich dem Frauenverein, trat für die Erhaltung alter Sitten und Gebräuche ein und kämpfte gegen Schund und Kitsch. Der Pfarrer in Kniehosen, Samtrock und Schillerkragen wurde jedoch von seine Mitmenschen oft gering geschätzt. Seine idealistischen Pläne scheiterten, weil er auf die Mildtätigkeit und Gebefreudigkeit seiner Gemeinde zählte. So verstrickte er sich in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1925 nach Wormstedt versetzt.
Heute ist die Schmiedehäuser Kirche äußerlich wieder in einem ansehnlichen baulichen Zustand. In der oberen Etage des Seitenschiffes wurde ein Gemeinderaum mit Fußbodenheizung eingebaut. Zu Beginn der 80er Jahre war die Kirche – einst das geistige Zentrum des Dorfes – durch fehlende Gelder und dadurch unterlassene Renovierungsarbeiten zu einem Schandfleck des Ortes geworden. Viele Schmiedehäuser befürchteten den drohenden Verfall. Ihr innerer und äußerer Zustand erforderte umfangreiche Sanierungsarbeiten.
Die Bereitschaft zu Geldspenden wuchs. Nachdem 1981/82 die Familie Klaus Baum bereits die Kirchenfenster erneuert hatte, wurde schließlich unter Leitung von Pfarrer Neumann und Jürgen Pietschmann am 21. Mai 1983 ein Maßnahmeplan zur Sanierung der Kirche in Schmiedehausen erarbeitet. Um den weiteren Verfall zu stoppen, wurde festgelegt, daß in einem Zeitraum von 5 Jahren die Kirche innen wie außen instand gesetzt werden soll. Zunächst wurde der Einbau eines Gemeinderaumes und die Verschönerung der Außenanlagen geplant. Als Berater für die Wiederherstellung des historischen Kerns und der Außenanlagen wurde Herr Jährling, ein Restaurator aus Weimar, gewonnen.
Am 4.6. 1983 erfolgte der erste Arbeitseinsatz, bei dem der Kirchenhof von Sträuchern und Bäumen befreit wurde.
Am 30.7.1983 nahmen Bergsteiger aus Halle die notwendige Dachreparatur am Dachschiefer vor. Am 7.9.1983 wurden die ersten Stahlrohrgerüste aufgestellt, damit mit der Renovierung der Außenhaut begonnen werden konnte. Die Rezeptur für den Außenputz erhielt man von der Denkmalspflege in Erfurt. Zunächst wurden auf die vorhandenen Bruchsteinmauern 3 mm Unterputz aufgebracht. Die Mischung für den Oberputz bestand aus 18 Schaufeln gelben Sand, 4 Schaufeln Weißkalk (eingesumpft), 1 Schaufel Zement und 2 kg Speisequark.
Am 26.5. 1984 wurde die Wetterfahne von Frank Heyme neu gemacht. Sie zeigt den Beginn der Restaurierung der Kirche.
Im September 1985 mußten die Gerüste an der Kirche abgebaut werden, weil sie für dringende Reparaturen an der Camburger Kirche gebraucht wurden. Ab März 1986 wurde die Renovierung der Kirche fortgesetzt.
Am 3.11.84 wurde der Zugang zum Haupteingang der Kirche mit Feldsteinen belegt. Darin befindet sich ein Kreuz. Auch der Seiteneingang, der sog. Männeraufgang, wurde an diesem Tag erneuert. Für die Treppenstufen wurden alte Grabsteine mit z.T. gut erhaltenen Inschriften verwendet.
Bei den Arbeiten am Gemeinderaum wurden am 24.3.85 in der Aussparung eines Balkens drei Schriftstücke gefunden. Das erste Schriftstück sind auf den 22.9.1792 dadierte Handwerkeraufzeichnungen von einer Reparatur der Kirche. Das zweite Schriftstück stammt aus dem Jahr 1670, und das dritte ist die Nr. 94 der „Gothaischen Zeitung“ von 1792. Natürlich traten bei den Arbeiten an und in der Kirche auch unvorhergesehene Schwierigkeiten auf. So bemerkte man beim Entfernen des Putzes am Stützpfeiler des Seitenschiffes zum Turm straßenseitig starke Risse von ca. 10 – 20 cm über die gesamte Mauerbreite, die erst noch verfüllt werden mußten. Schließlich konnten am 3.8.1985 mit dem 45. Arbeitseinsatz die Putzarbeiten an der Fassade und am Turm nach jähriger Bauzeit beendet werden. Daran hatten sich insgesamt 35 Bürger beteiligt. Am 24.8. 1985 wurde die Turmuhr generalüberholt. Damals wurde auch auf der Talseite ein Zifferblatt eingebaut. Dazu mußte die Uhr seitlich versetzt werden und ein kompliziertes Gestänge zur Abstimmung der Schläge angebracht werden. Auch das vordere Ziffernblatt wurde erneuert, so dass heute von allen Punkten des Dorfes jederzeit die genaue Uhrzeit zu sehen ist. Das verdanken wir auch Herrn Klaus Baum, der die Uhr bis heute in regelmäßigen Abständen aufzieht und wartet.
Im Zeitraum vom 7.10. bis 7.12.1988 wurden 35 Arbeitseinsätze am neuen Gemeinderaum durchgeführt. So wurden die Deckenbalken erneuert, Parkettfußboden gelegt und eine Fußbodenheizung eingebaut. Am 22.11.1988 wurde das Kruzifix aus dem Altarraum der Kirche im Gemeinschaftsraum angebracht, nachdem es durch die Denkmalpflege restauriert worden war. Das Kreuz für das Kruzifix hat Jürgen Pietschmann selbst gefertigt.
Am 4. Advent 1988 wurde der neue Gemeinderaum durch einen Festgottesdienst seiner Bestimmung übergeben. Zuvor hatten ihn 15 Frauen und Mädchen der Gemeinde gründlich gereinigt und festlich hergerichtet. Zur feierlichen Übergabe an die Schmiedehäuser Kirchgemeinde waren anwesend:
– Superintendent Herr Bechmann und Frau Dr. Bechmann aus Camburg
– Herr und Frau Pfarrer Neumann aus Eckolstädt
– sowie alle Handwerker und Gemeindemitglieder und ihre Gäste, insgesamt 63 Personen.
Damit war der Raum hoffnungslos überfüllt. Der Gottesdienst mit Taufe und anschließender Kaffeetafel fand in der Kirchgemeinde eine große Resonanz und wird wohl lange in der Erinnerung aller Anwesenden bleiben. Für die musikalische Umrahmung sorgten Frau Dr. Bechmann, Frau Helga Schröter, Herr Udo Beyer und Tochter Andrea.
Während der Bauarbeiten war auch der Landesbischoff Dr. Leich mit seiner Gattin in Schmiedehausen.
Im folgenden sollen die Bürger namentlich genannt werden, die maßgeblichen Anteil an der Renovierung unserer Kirche hatten:
– Pietschmann, Jürgen, Karin, Gabriela, Ramona
– Rubin, Josef
– Weser, Axel u. Jörg sowie Rainer
– Kusch, Helmut
– Zittlau, Heinz, Axel und Heike
– Seitz, Gerd
– Baum, Jens und Klaus
– Schmidt, Winfried
– Urlau, Thiemo
– Rehhausen, Klaus (Lachstedt)
– Klein, Lothar (Bad Sulza)
– Wippig, Steffen (Camburg)
– Franke, Torsten (der durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam).
Außerdem waren die Handwerksmeister
– Schmiedemeister H. Müller, Münchengosserstedt
– Tischlermeister J. Hübner, Münchengosserstedt
– Schlossermeister H. Albrecht, Camburg
beteiligt.
Wichtig ist es zu erwähnen, dass es während der Bauzeit keinen Unfall oder keine Verletzung gegeben hat.
In der gesamten Bauzeit vom 21. Mai 1983 bis 9. Januar 1986 wurden von 43 Bürgern aus Schmiedehausen, Lachstedt, Camburg, Bad Sulza, Münchengosserstedt und Apolda
• 1235,5 Stunden mit Bezahlung und
• 621,0 Stunden ohne Bezahlung
geleistet.
Der Arbeitslohn war gering, im Durchschnitt 5,- Mark pro Stunde. das Geld für die Sanierung unserer Kirche wurde größtenteils aus Spenden der Bürger aus Schmiedehausen finanziert. Die Bauarbeiten mußten schließlich eingestellt werden , weil für die geplanten Innenarbeiten im Kirchenschiff kein Geld mehr vorhanden war.
Doch das schmälert nicht die Leistung, die für unser Dorf mit der Sanierung der Kirche durch die oben Genannten vollbracht wurde.
Die Schule entstammt der Reformationszeit, als schon ein Küster zu Schmiedehausen war, „welcher auch Schule hielt“. Dies geht aus der Kirchenrechnung von 1549 hervor, in der die Besoldung für ihn mitgerechnet wird. Die Schule wird durch das große Schadenfeuer 1545 mit eingeäschert. Auch die hiernach wieder der Kirche gegenüberliegende, neu aufgebaute Schule brannte 1804 ab. Bei dem Neubau berechnete man nicht das Wachstum der Gemeinde und der Kinderzahl, so daß schon 1837 wieder eine Vergrößerung nötig war.
Während des Schulbaues wurde der Unterricht im Sommer in der Kirche und im Winter in der Schenke erteilt. Endlich wurde 1872 die neue geräumige Schule mit Lehrerwohnungen erbaut. Seit dieser Zeit wurde auch ein zweiter Lehrer eingestellt, denn die Schülerzahl war auf 100 angestiegen.
Im Jahr 1890 wurde abermals ein Erweiterungsbau vorgenommen, indem der linke Seitenflügel bis zur Scheune verlängert wurde. So ist nach vielfachen Um- und Anbauten das jetzige Schulhaus entstan-den, das besonders in hygienischer Hinsicht viel zu wünschen übrig lies.
Der Anfang eines einigermaßen geregelten Unterrichtes fällt in die Reformationszeit. Das Hauptgewicht des Unterrichtes lag auf religiösem Gebiet, Rechnen war Wahlfach. Das war auch nicht verwunderlich, denn der Küster übte das Amt des Lehrers gewissermaßen nebenamtlich aus. Dienst an und in der Kirche war die erste Pflicht des Schulmeisters – er war ja der Küster. Deshalb lagen Kirche und Schule so nahe beieinander.
In der „Schulmatrikul vom 14. Januar 1755″, die die Besoldung des Schulmeisters Johann Christoph Serfling festlegt, geht hervor, daß nur ein Teil der Besoldung in Form von Geld erfolgte, das die Kinder als Schulgeld zu zahlen hatten. Der weit größere Teil erfolgte in Naturalien, als Eier, Korn, Brot, Holz oder Reisig. Die Aufgaben und Pflichten eines Schulmeisters wurden ebenfalls von der Gemeinde festgelegt.
Sie gingen weit über Unterrichtung und Erziehung der Kinder hinaus. In der „Provissional-Verordnung“ von Münchengosserstädt ist zu lesen, was der Schuldiener zu verrichten hatte:
„Läuten, so oft Gottesdienst gehalten wird,
– bei Hochzeiten, Tauffen, Begräbnissen, Leichenzügen, Festtage einläuten, zur Schule frühe des Winters um 7 Uhr, des Sommers um 6 Uhr, zu mittage um 12 Uhr, zu abends um 6 Uhr, auch anschlagen, wenn es gebräuchlich…
– Schule halten, des Tages 6 Stunden vormittags 3 und nachmittags 3 Stunden Mittwochs und sonnabends ist frey.
Über dieses die Kirche bewahren, reinigen, auf- und zuschließen, den Kirchhof in acht nehmen und zuhalten …
Dem Schmiedehäuser Schuldiener wird es nicht anders ergangen sein: überliefert ist ferner, dass die Besoldungsfestschreibungen oft zu Differenzen zwischen Schuldiener (später Schulmeister) und Gemeinde führten.
In der Chronik wird von einem Lehrer Wetter berichtet, welcher 1870 seinen Dienst in Schmiedehausen wegen Streitigkeiten mit der Gemeinde quittieren mußte. Daraufhin konnte man an der Tür des Glockenhauses folgenden Reim lesen:
„Es ist ein Glück für unseren Ort: das böse Wetter ist nun fort!“
In den späteren Jahren wurde die Besoldung der Lehrer gesetzlich geregelt. So bestimmte das Gesetz vom 12. Februar 1894 1000 M als Anfangsgehalt und 1800 M als Endgehalt, erreichbar nach 30 Dienstjahren.
Als erster Lehrer in Schmiedehausen wird uns namentlich Johann Simon Werter genannt (um 1662). Da die Zahl der Kinder anstieg wurde 1872 eine zweite Lehrerstelle eingeführt und mit Hermann Bar. helmes besetzt. Erwähnt werden soll an dieser Stelle auch der Lehrer Heinrich Rüttinger, der seit 1892 in Schmiedehausen angestellt war.
Ihm verdanken wir viele Fakten zur Geschichte der Schule, da er diese 1908 zu Papier brachte. Neben seinem Beruf war er stark am gesellschaftlichen Leben des Dorfes beteiligt. So gründete er im Jahre 1899 eine Schulsparkasse, war Rechnungsführer im Sparkassen- und Darlehensverein und viele Jahre lang Dirigent des Gesangvereins „Eintracht“
Neben den Lehrern soll auch an einige Schmiedehäuser erinnert werden, die sich durch Liebe zur Schuljugend auszeichneten. So stiftete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Einwohner namens Krake (Krakau) eine Zuwendung, aus deren Zinsertrag den Kindern jährlich am Gründonnerstag Semmeln und Schreibpapier kostenlos verabreicht wurde. In den 90er Jahren ist dieser Brauch aus unbekannten Gründen eingeschlafen.
Danach kam in der Schmiedehäuser Schule „Sophies Geburtstag“ auf, der jährlich am 4. Juli freudig gefeiert wurde. Sophie Köhler hatte den Schulkindern ein Legat von 2000 Mark hinterlassen. An ihrem Geburtstag zogen Lehrer und Schüler zum Friedhof und sangen am geschmückten Grabmal der Kinderfreundin einige Lieder. Danach erfolgte die Bewirtung mit Bratwurst und Limonade.
Das Kinderfest endete mit dem 1. Weltkrieg, weil die Inflation das Legat verzehrte. 1920 wurde von Pfarrer Kalbe jedoch wieder ein Kinderfest, unser heutiges Kirschfest, ins Leben gerufen. In Durchführung der Schulreform nach dem 2. Weltkrieg erlebte auch die Schmiedehäuser Schule einschneidende Veränderungen. Zunächst ging man vom Zweiklassenunterricht zur Vierklassenschule über. Voraussetzung dafür waren umfangreiche bauliche Veränderungen. Der Lehrer Georg Klein war damals Schulleiter.
Die Schmiedehäuser Schule zählte zu den wenig gegliederten Landschulen. In dieser Grundschule gab es vier Klassen mit Mehrstufenunterricht. Das bedeutete, da jeweils zwei Klassen verschiedener Klassenstufen gemeinsam von einem Lehrer unterrichtet wurden, z. B. Klassen 1 und 3, Klassen 2 und 4, Klassen 5 und 6 sowie Klassen 7 und 8. Auch die Lachstedter Kinder wurden in Schmiedehausen beschult.
Im Jahr 1957 war der Lehrer Günther Ahlert Schulleiter geworden.
Unter seiner Leitung entstand im früheren Gemeindebackhaus ein Werkraum mit 20 Arbeitsplätzen für Holz- bzw. Metallbearbeitung. In dieser Zeit wurden auch ein Waschraum eingerichtet, ein Lehrerzimmer und ein Speiseraum geschaffen sowie die sanitären Anlagen ver-bessert.
Im Jahr 1960 fiel der Mehrstufenunterricht weg, und es kam zur Bildung des Oberschulbereiches Schmiedehausen. Dazu gehörten die Teilschulen Münchengosserstedt und Eckolstädt. Die Schule besaß nun durch die Konzentration der Kinder 8 Klassen. Zur Beförderung der Schüler von Ort zu Ort wurden Schülerbusse eingesetzt. Die Schüler der 9. und 10. Klasse wurden in der Schule Wormstedt unterrichtet.
Der Sportunterricht erfolgte im Winter Im Saal der Gaststätte „Zur Post“. Im Sommer auf dem Sportplatz. In dieser Zeit wurde der polytechnische Charakter der Schule stark ausgeprägt, welcher in Unterrichtsfächern wie Schulgarten, Werken und produktive Arbeit zum Ausdruck kam. Ziel war es, eine stärkere Verbindung der Schule und Leben zu erreichen. Zu diesem Zweck wurden in der außerunterrichtlichen Arbeit sog. Arbeitsgemeinschaften gebildet, in denen sich die Schüler unter Leitung erfahrener Fachleute z. B. mit der Aufzucht von Treibgemüse oder Junghühnern beschäftigten. Dadurch sollte bei den Kinder u.a. das Interesse an der Landwirtschaft geweckt werden. Gerhard Fleischhauer leitete die AG „Junge Gemüsebauer“ und Gerta Völkner die AG „Junge Geflügelzüchter“.
Im Zuge der Weiterentwicklung des Schulwesens wurde an der Polytechnischen Oberschule Schmiedehausen 1967 das Kabinettsystem eingeführt. Lehrer und Eltern richteten Fachräume speziell für ein Unterrichtsfach ein. Somit sollte dem Lehrer die Möglichkeit gegeben werden, den Unterricht interessanter zu gestalten und Schülerexperimente durchzuführen.
Zu dieser Zeit war es Tradition, dass die Kinder während der Sommerferien im örtlichen Ferienlager frohe Tage bei Sport und Spiel verleben konnten. Ca. 80 Kinder wurden von Lehrern und Erziehern betreut und je nach Alter in Gruppen eingeteilt. Auf dem Programm standen sportliche Betätigung, Schwimmen und Wandern in der näheren Umgebung. Höhepunkte waren das Zelten auf dem „Hernsberg“ und ein Lagerfeuer zum Abschlußfest.
Im Zuge der weiteren Zentralisierung im Schulwesen wurden 1973 die beiden Oberschulbereiche Schmiedehausen und Wormstedt zur Polytechnischen Oberschule Wormstedt vereint. Zunächst wurden nur die Klassen 5 bis 10 in Wormstedt beschult, die Kinder der unteren Klassen verblieben zunächst in den Teilschulen Schmiedehausen bzw. Eckolstädt.
Mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes sowie einer modernen Turnhalle im Jahr 1988 in Wormstedt wurden die Teilschulen endgültig aufgelöst. Damit verließ die Schule als Einrichtung für immer unseren Ort.
Heute befinden sich im ehemaligen Schulgebäude
– die Gemeindeverwaltung
– ein Mehrzweckraum für Versammlungs- und Vereinstätigkeit
– sowie gesellschaftliche Speisung
– ein ehemaliges Arztsprechzimmer und zwei Wohnungen.
Dazu wurden umfangreiche bauliche Veränderungen, wie Dachsanierung und Heizungseinbau, durchgeführt. Im Sprachgebrauch der Schmiedehäuser wird trotz dieser veränderten Nutzung das Gebäude wohl noch lange „die Schule“ bleiben.

Gemeinde Schmiedehausen
Dorfstraße 21
99518 Schmiedehausen
info@gemeinde-schmiedehausen.de
Erfüllende Gemeinde
Stadt Bad Sulza
036461 241-0
stadtverwaltung@bad-sulza.de